Entstehung und Entwicklung

Das HochwasserKompetenzCentrum (HKC) in seiner Entwicklung

Immer wieder sehen wir in den Medien schreckliche Bilder über die Folgen extremer Hochwasserereignisse. Menschen sind betroffen, Opfer sind zu beklagen und erhebliche Vermögenswerte gehen verloren. Glücklicherweise mussten wir bei den Extremereignissen der Jahre 1993 und 1995 in der Kölner Region keine Menschenleben beklagen. Aber auch hier waren die Schäden erheblich und es entstanden gravierende Vermögensverluste.

Bei dieser regionalen Betrachtungsweise darf man den Blick nicht nur auf die unmittelbaren Rheinanlieger lenken, sondern muss auch berücksichtigen, was sich in den Einzugsgebieten der Nebenflüsse abspielt. Denn auch die Sieg, die Erft, die Agger und die Wupper verzeichnen Hochwasserereignisse mit erheblichen Folgen für die Anlieger. Dies hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass in unserer Region massive Anstrengungen unternommen wurden, um die potenziellen Folgen extremer Hochwasserereignisse zu mindern. Allein in Köln wurde ein Hochwasserschutzkonzept auf den Weg gebracht, auf dessen Grundlage bis Ende 2008  Investitionen im Umfang  von rund 400 Mio. Euro für den baulichen, den entwässerungs-technischen Hochwasserschutz und für Retentionsmaßnahmen getätigt wurden. Ähnliche Aktivitäten wurden beispielsweise von der Stadt Bonn, dem Aggerverband, dem Erftverband und auch dem Wupperverband eingeleitet. Dabei unterscheiden sich die Lösungskonzepte zum Teil deutlich voneinander, da jeweils Anpassungen auf die örtlichen Randbedingungen hin erforderlich werden. Ein ganz wesentlicher Faktor ist hierbei die Vorwarnzeit, die für den Rhein bei bis zu 48 Stunden liegt, wohingegen an den Nebenflüssen des Rheins teilweise nur einige wenige Stunden für entsprechende Vorbereitungsmaßnahmen zur Verfügung stehen.

1920: Die Kölner Innenstadt
1955: Hochwasser in Rodenkirchen

Diese Vorbereitungsmaßnahmen betreffen aber nicht nur die unmittelbaren Träger des Hochwasserschutzes, d. h. die Städte und Gemeinden bzw. die Wasserverbände. Im Rahmen von Schutzmaßnahmen auf privaten Grundstücken (z. B. Objektschutz) ergeben sich weitreichende Möglichkeiten, die zur Schadens-verminderung und zur Vermeidung langfristiger Produktionsausfälle von jedem potenziell betroffenem Eigentümer / Betrieb genutzt werden könnten und sollten. Hierbei spielt die Kommunikation und die Zusammenarbeit mit der betroffenen Bevölkerung unter Einbeziehung von Initiativen und Hilfsorganisationen eine wesentliche Rolle. So sind insbesondere im Rheinland und im Rheineinzugsgebiet in den letzten Jahren erhebliche Erfahrungen gesammelt und in praktische Hochwasserschutzprojekte umgesetzt worden.

Diese Erfahrungen, die aus der Perspektive von verantwortlichen Akteuren und Betroffenen stammen, wollen wir nun unter dem Dach des HochwasserKompetenzCentrums nutzbar machen. Zu diesem Zweck haben sich in der Gründungsvorbereitung viele regionale Kräfte (die Universitäten Köln, Bonn und Aachen, hochwasserverantwortliche Städte sowie Wasserverbände und zahlreiche Firmen aus dem Rheinland bis hin zu Versicherungsunternehmen) zusammengefunden, um einen solchen Schritt zu leisten. Diese regionalen Wurzeln manifestieren sich auch in der Zusammensetzung unseres Vorstandes.

Wenn es allerdings darum geht, das Gesamtspektrum des Themas Hochwasser zu beleuchten, benötigen wir auch überregionale Fachleute, da hier ein vielfältiges ergänzendes Wissen vorhanden ist.

Arbeitsweise des HKC

Im Rahmen des HKC werden die anstehenden Arbeiten in vier Schritten durchgeführt:

·         Strukturierung des Gesamtthemas „Hochwasser“

·         Zusammenstellung bestehender Erkenntnisse

·         Interdisziplinärer Abgleich dieser Erkenntnisse

·         Konzeption von Anwendung bezogenen F + E Projekten

Zunächst stellen wir fest, welche Einzelheiten unter dem Obergriff "Hochwasser" strukturierten Themengruppen zuzuordnen sind. Durch diesen eher etwas abstrakten Rahmen möchten wir gewährleisten, dass eine umfassende strukturelle Plattform entsteht, auf der dann Erkenntnisse zugeordnet werden können.

In einem weiteren Schritt stellen wir mit Hilfe der Mitglieder fest, zu welchen Themen es bereits Erkenntnisse gibt. Hierbei möchten wir möglichst viele Quellen identifizieren. Erst in einem danach folgenden Schritt werden die Bedürfnisse, die sich aus den Erfahrungen der Theorie und Praxis ergeben, mit dem vorhandenen Erkenntnisstand abgeglichen. Wir gehen davon aus, dass sich hierbei Lücken erkennen lassen.

Um diese Lücken zu schließen, werden Forschungs- und Entwicklungsprojekte definiert. Dabei leistet das HKC in der Regel nicht selbst Forschungs- und Entwicklungsarbeit, sondern sorgt vielmehr dafür, dass sich vornehmlich aus dem Kreis der Mitglieder Partner zusammenfinden. Bei der Beantragung von Förderungen ist das HKC unterstützend tätig.

Die Ergebnisse aus solchen Projekten werden dann über das HKC den Mitgliedern und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Soweit es die Relevanz sinnvoll erscheinen lässt, können die Erkenntnisse im Anschluss auch in das Technische Regelwerk der DWA bzw. bei Bauprodukten in die DIN-Normen Eingang finden.

Das HKC verfolgt das Ziel, unter primärer Bündelung aller Kräfte und mit Unterstützung aller interessierten überregionalen Institutionen den Erkenntnisstand im Hochwasserschutz unter anderem über Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu fördern.