Welche Strategien zur Hochwasservorsorge gibt es?

Vorsorge

Die wirtschaftliche Entwicklung und der zunehmende Siedlungsdruck haben dazu geführt, dass die Flussauen häufig als Siedlungsfläche genutzt werden.

Die Schutzwirkung technischer Hochwasserschutzanlagen wie Mauern, Deichen oder Hochwasserrückhalteanlagen wirkt nur bis zum jeweiligen Bemessungshochwasser. Darüber hinausgehende Hochwasser überfluten die geschützten Gebiete und Schäden entstehen. Ein absoluter Hochwasserschutz kann daher niemals garantiert werden.

Einem präventiven Hochwasserschutz kommt, aufgrund der potentiellen Gefahr eines Extremhochwassers, welches die Schutzeinrichtungen übersteigt, eine große Relevanz zu. Dieser gliedert sich in folgende Komponenten:

Retentionspotential

Neben natürlichen hydrologischen Einflussgrößen wie Niederschlagsmenge oder Schneeschmelze gibt es weitere Faktoren, die eine Hochwasserwelle beeinflussen und zudem eine Schnittstelle zum Umweltschutz darstellen.

Die Rückhaltung von Wasser im Einzugsgebiet verlangsamt das Einfließen von Niederschlägen in den Vorfluter und reduziert auf diese Weise die maximale Magnitude eines Hochwasserereignisses. Ein rapides Anschwellen von Bächen/Flüssen kleinerer Einzugsgebiete kann so verlangsamt werden und besonders für größere Flüsse die Gefahr von überlagernden Hochwasserwellen verringert werden.

Informieren Sie sich auf den folgenden Seiten über das Retentionspotential von:

  • Vegetation
  • Boden
  • Versiegelung
  • Topographie/Relief

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Verhaltensvorsorge

Menschen, die in unmittelbarer Flussnähe wohnen und arbeiten, sollten sich der Gefährdung durch Hochwasser bewusst sein. Sobald die schrecklichen Bilder eines Hochwasserereignisses aus den Köpfen der Menschen verschwunden sind, reduziert sich das Gefahrenbewusstsein rapide. Eine stetige Aufrechterhaltung dieses Bewusstseins trägt auch zu angepasstem Verhalten der Bürgerinnen und Bürger bei, um in einer Notsituation richtig handeln zu können.

Informationen, Ausbildung und Vorbereitung sind notwendig, damit jeder betroffene seine Handlungsmöglichkeiten kennt und zur Schadensminderung effektiv beitragen kann.

Flächenvorsorge

Wirksamer präventiver Hochwasserschutz ist durch eine effektive Flächenvorsorge gekennzeichnet, die sowohl Art, als auch Ausmaß der baulichen Nutzung in Überschwemmungsgebieten festlegt. Zur Reduzierung der Hochwassergefahr in dicht besiedelten Arealen, muss dem Fluss zuvor möglichst viel Ausbreitungsfläche bereitgestellt werden, um das Maximum der Hochwasserwelle abflachen zu können. Eine bewusste Freihaltung entsprechender Flächen ist somit wichtiges Element zur Schadensminderung.

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Risikovorsorge

Ziel der Risikovorsorge ist es, Schadensausmaß und Schadenslast bei sehr seltenen Ereignissen zu begrenzen. Hierzu dienen die Gefahrenabwehr, der Katastrophenschutz und – wenn staatliche Unterstützungen fehlen – die Versicherungen.

Für den Fall, dass trotz geeigneter Vorsorge- und Abwehrmaßnahmen ein Hochwasserschaden eintritt, helfen private Rücklagen oder der Abschluss einer Versicherung, die wirtschaftlichen Folgen zu mindern.

Mit der sogenannten "Erweiterten Elementarschadenversicherung" ist es möglich, sich gegen Überschwemmung und weitere Gefahren zu versichern. Solche Versicherungen sind freiwillig und können vom Bürger im Bedarfsfall in Anspruch genommen werden. Ähnliches gilt für den Versicherer, dem es frei steht, einem Kunden aufgrund seiner exponierten Gefährdungssituation den Versicherungsschutz zu verwehren.