Rückhaltung von Wasser zur Hochwasserminderung

Retention

Der Rückhaltung von Wassermassen kommt auch beim technischen Hochwasserschutz, ähnlich dem natürlichen Retentionspotential, eine zentrale Stellung zu.

Im Folgenden erfahren Sie mehr über die unterschiedlichen Möglichkeiten der Wasserrückhaltung und ihrem Potential zur Hochwasserreduzierung.

Talsperren

Zum Aufstauen großer Wassermengen in morphologisch stärker ausgeprägtem Gelände (bspw. Mittelgebirge) eigenen sich Talsperren, die als Stauanlage das gesamte Querprofil eines durchströmten Tals verschließen. Sie befinden sich häufig im Oberlauf von Flüssen, da hier das Relief mit tief eingeschnittenen Tälern ideale Bedingungen bietet. Der Bau einer Talsperre ist im Flachland jedoch nicht ausgeschlossen, muss allerdings beim Verhältnis von Höhe & Breite der Anlage an die lokalen Bedingungen angepasst werden.

Das aufgestaute Wasser bildet mit der Zeit einen Stausee, der weite Teile des Hinterlandes langsam überflutet und auf diese Weise ehemals terrestrische Ökosysteme zu Aquatischen umformt, was einen massiven Eingriff in natürliche Prozesse darstellt (eine genauere Betrachtung ökologischer Folgen von Hochwasserschutzmaßnahmen wird folgen). Das Wasser kann bei Bedarf kontrolliert abgegeben werden, womit der Wasserstand des Abflusses auf gleichbleibendem Niveau gehalten wird. Häufig liegt die primäre Nutzung solch einer Anlagen in der Trinkwasser- und Elektrizitätsgewinnung, kann aber auch effektiv zum Hochwasserschutz genutzt werden. Solange die Kapazitäten des Stausees ausreichen, können Niederschläge abgefangen werden, die ansonsten unmittelbar einen Pegelanstieg im Fluss erzeugt hätten. Eine vorausschauende Steuerung der Anlage basiert auf entsprechender Vorhersage und kann dem Hochwasserschutz wichtige Dienste erweisen.

Einer der größten Stauseen Deutschlands ist der Biggesee im Sauerland, Nordrhein-Westfalen. Die Talsperre hat eine Gesamthöhe von 52m und eine Breite von 640m. Das Volumen des Stausees ist mit 172 Mio m3 außerordentlich und damit der 5. größte Stausee Deutschlands. Die Bigge ist ihrerseits ein Zufluss der Ruhr, die schließlich eines der am dichtesten besiedelten Gebiete Europas durchquert und aufgrund der Steuerung eine deutlich geringere Gefährdung darstellt.

Rückhaltebecken

Hochwasserrückhaltebecken haben in ihrer Funktion als Stauanlage eine besondere Funktion. Solange der Fluss mit normalem Wasserstand sein Bett durchfließt, quert er das Bauwerk ohne Probleme. Erhöht sich jedoch während eines Hochwasserereignisses der Abfluss über einen bestimmten Grenzwert, staut das Rückhaltebecken die überschüssigen Wassermassen auf und lässt nur einen bestimmten Grundabfluss durch. Der Unterlauf wird somit vor Hochwasserspitzen geschützt und erhält lediglich eine kalkulierbare maximale Abflussmenge.

Bauwerke dieser Art sind, ähnlich der Talsperren, aufgrund der topographischen Bedingungen häufig im Oberlauf angesiedelt und dienen ausschließlich dem Hochwasserschutz. Ähnliche Anlagen wie Regenrückhaltebecken finden sich vorrangig im städtischen Kanalbau.

Spezielle Varianten von Rückhaltebecken werden im alpinen Raum zum Schutz vor Muren und Schlammlawinen eingesetzt. Bauwerke müssen hier plötzlich auftretenden Fluten mit einem hohen Feststoffanteil (Bäume, Steine, Bodenmaterial, etc.) standhalten, was besondere konstruktive Anforderungen stellt.

 

Weitere Informationen
Biggesee
Biggetalsperre