Projekt

Akzeptanz für Auenlandschaften als Retentionsräume – Methoden zum gesellschaftlichen Diskurs und zur Partizipation

Projektanlass

Retentionsräume dienen dazu, die schadhaften Folgen von Hochwasser zu mindern. Jedoch gerade im Zuge der Hochwasserereignisse 2013 fasste ein ARD Brennpunkt am 11.6. die folgenden drei Punkte als wichtige Lektionen zusammen:

  1. Es müssen mehr Flächen für Hochwasserretention – auch extremer Hochwasser – bereitgestellt werden;
  2. Das „Kompetenzwirrwarr“ der Behörden im Hochwasserschutz verursacht sehr lange Verfahrensdauern von Projekten;
  3. Bürgerinitiativen (und Umweltschutz) blockieren häufig Hochwassermaßnahmen.

Problem und Fragestellung

Obwohl diese Maßnahmen für die Allgemeinheit notwendig und in hohem Maße wünschenswert sind, erzeugen sie bei den Betroffenen häufig eine Abwehrhaltung, die auch durch Flächentausch und Entschädigung nur schwer aufzuheben ist. Dies machte die Umsetzung solcher Projekte in der Vergangenheit und heute noch schwer (Beispiel: Von den von der IKSR 1998 identifizierten und bis 2020 zu realisierenden 13 Retentionsräumen sind gerade 3 umgesetzt – BUND: „Stillstand am Rhein – Naturnaher Hochwasserrückhalt am Rhein kommt nicht voran - …“).

Der Schluss liegt nahe, dass es in der Vergangenheit oft an rechtzeitiger und umfassender Partizipation mangelte, um die betroffenen Bürger und Unternehmen zu überzeugen und zu Mitstreitern zu machen. Gleichzeitig fehlen auch in der Raumplanung Instrumente, um die Schaffung von Retentionsräumen effizient umzusetzen.

Unter diesen Voraussetzungen stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten sich anbieten, um den Flüssen mehr Raum zu geben. Hierfür bedarf es neben bodenpolitischen Instrumenten und guter Abstimmung der Behörden insbesondere einer guten Partizipation, die letztendlich auch einen gesellschaftlichen Diskurs zu akzeptablen Risiken initiieren kann.

Suche nach Lösungswegen

Eine Voraussetzung für einen möglichen Lösungsweg ist ein Kommunikationskonzept, das Bodeneigentümer, lokale Wirtschaft und Landwirtschaft mit einbindet und eine Planung, die eine konkrete Aufwertung der teilnehmenden Regionen zum Ziel hat.

In dem Projekt soll ein theoretisches Konzept in der Praxis erprobt werden. Das Konzept basiert auf dem Ansatz, dass es vier Arten von Motiven gibt, um Partizipation durchzuführen und ebenso vier unterschiedliche Motive bei Bürgern um an Partizipationsprozessen teilzunehmen. Eine nachhaltige Partizipationsstrategie muss diese vier Typen kennen und mit entsprechenden Methoden darauf reagieren. In dem Projekt wird dieser Ansatz auf den Bereich „Hochwasserretention“ übertragen und passende Methoden entwickelt und erprobt.

Zwischenergebnisse und Aktivitäten

Vorstudie an der Universität Utrecht
Derzeit wird eine Vorstudie zum Erproben von Methoden an der Universität Utrecht durchgeführt. Teil dieser Vorstudie ist die Masterarbeit von Vincent van Rheenen (Universität Utrecht), die durch das HKC co-finanziert wird.

Präsentation auf internationaler Konferenz
Erste Zwischenergebnisse werden auf dem wiss. Kongress der Association of European Schools of Planning (AESOP) in einem gemeinsamen Papier von Matthijs Roos (Omniplan und Universität Utrecht), Thomas Hartmann (Universität Utrecht) und Georg Johann (EGLV) zum Thema „Constructing risks – Internalisation of flood risks using the process of the flood risk management plan“ zur Diskussion gestellt. Eine Publikation des Konferenzbeitrages ist geplant.

Nächste Schritte
Im nächsten Schritt soll eine größere Studie zur Weiterentwicklung der Methoden durchgeführt werden. Hierzu werden in Kooperation mit der Universität Utrecht, dem Emschergenossenschaft/Lippeverband sowie weiteren Partnern Mittel eingeworben werden.

Projektsprecher:

Asst. Prof. Dr. rer.pol. Thomas Hartmann
Dept. Human Geography & Planning, Utrecht University, The Netherlands

Telefon +31 (0) 30 253 2053
t.hartmann(at)uu.nl, www.uu.nl/staff/THartmann


Dipl. Hydr. Georg Johann
Emschergenossenschaft/Lippeverband, Essen

Telefon +49 (0) 201 104 2249
johann.georg(at)eglv.de, www.eglv.de